Bundesversammlung - Kolping DV Speyer

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Bundesversammlung

2016_verdeckte
Deutsches Kolpingwerk be­schließt Me­mo­ran­dum zum Le­bens­schutz
Kolping geht beim Le­bens­schutz in die Of­fen­si­ve: Für Rück­kehr der Kirche in das Be­ra­tungs­sys­tem nach § 219 StGB – Diakon Andreas W. Stellmann aus Heßheim in Bundesvorstand gewählt
Köln/Kaiserslautern (02.11.2016 / ko_tb). – Mit großer Mehrheit verabschiedete die Bundesversammlung des Kolpingwerkes Deutschland in Köln ein „Memorandum zum Schutz des menschlichen Lebens“. Zu dieser Erklärung gibt es meh­re­re An­läs­se. Zwei Bei­spie­le: Zu Tau­sen­den wer­den in Deutsch­land künst­lich be­fruch­te­te Em­bryo­nen ein­ge­fro­ren und, falls nicht mehr be­nö­tigt, „ver­wor­fen“. Im Ge­sund­heits­we­sen prüft man ge­gen­wär­tig, ob ein ein­fa­cher Blut­test als Kas­sen­leis­tung ein­ge­führt wird, des­sen ein­zi­ger Nut­zen dar­in be­steht, ei­ne mög­li­che Be­hin­de­rung des un­ge­bo­re­nen Kin­des fest­zu­stel­len. Erfahrungsgemäß wird in 90 Pro­zent der Fäl­le ein Schwan­ger­schafts­ab­bruch er­folgen. Die Bun­des­ver­samm­lung des Kol­ping­wer­kes lenkt nun das Au­gen­merk auf die­se Kon­flikt­the­men.
Der katholische Sozialverband hält in seinem Memorandum fest: Über die Wah­rung der Men­schen­wür­de zu wa­chen und das mensch­li­che Le­ben vom ers­ten bis zum letz­ten Au­gen­blick zu schüt­zen, ge­hört zu den wich­tigs­ten Auf­ga­ben des staat­li­chen Han­delns. Die miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung von Fort­pflan­zungs­tech­ni­ken ist durch den Ge­setz­ge­ber seit 1990 un­ter Stra­fe ge­stellt. Die Pra­xis der Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zin hat die­sen Schutz in­zwi­schen je­doch aus­ge­höhlt. Über vor­ge­burt­li­che Un­ter­su­chun­gen von Em­bryo­nen ent­schei­den nicht – wie ge­setz­lich vor­ge­se­hen – Ethik­kom­mis­sio­nen auf Län­der­ebe­ne im Ein­zel­fall, son­dern in vie­len tau­send Fäl­len Re­pro­duk­ti­ons­zen­tren.
Wäh­rend sich vie­le Men­schen für In­klu­si­on und Bar­rie­re­frei­heit für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen stark ma­chen, prüft der ge­mein­sa­me Bun­des­aus­schuss von Ärz­ten und Kran­ken­kas­sen im Auf­trag der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen, ob die Ver­si­cher­ten in Zu­kunft leich­ter und preis­wer­ter fest­stel­len kön­nen, be­hin­der­tes Le­ben be­reits wäh­rend der Schwan­ger­schaft zu identifizieren.
Gleich­zeitig wer­den Schwan­ger­schafts­ab­brü­che viel­fach nicht mehr au­to­ma­tisch als Tö­tung mensch­li­chen Le­bens be­trach­tet, viel­mehr wird das Recht je­der Frau, au­to­nom über ei­nen Schwan­ger­schafts­ab­bruch zu ent­schei­den, be­tont. Letz­te­res ge­schieht auch durch Or­ga­ni­sa­tio­nen, die schwan­ge­re Frau­en in Kon­flikt­si­tua­tio­nen be­ra­ten und ih­nen ei­nen Be­rech­ti­gungs­schein für ei­nen le­ga­len Ab­bruch aus­stel­len.
„Be­dau­er­lich und im Er­geb­nis ver­hee­rend ist der Rück­zug der ka­tho­li­schen Kir­che aus dem Be­ra­tungs­sys­tem ge­mäß § 219 StGB im Jahr 2001“, stellt das „Me­mo­ran­dum zum Le­bens­schutz“ fest. Der In­itia­ti­ve „Do­num vi­tae“, die aus Mit­glie­dern des Zen­tral­ko­mi­tees der deut­schen Ka­tho­li­ken und aus Trä­gern frü­he­rer ka­tho­li­scher Be­ra­tungs­stel­len her­vor­ge­gan­gen ist, sei es zu ver­dan­ken, dass es wei­ter­hin Be­ra­tungs­stel­len ge­be, de­ren Trä­ger un­ein­ge­schränkt hin­ter den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen und den An­sprü­chen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes für ei­ne grund­ge­setz­kon­for­me Um­set­zung der Kon­flikt­be­ra­tung ste­hen. „Donum vitae“ berät nach den Richtlinien der katholischen Bischöfe für die Schwangerschaftskonfliktberatungen, wie sie bis zum erzwungenen Ausstieg aus dem staatlichen System 2000 galten. Die ersten Beratungstellen entstanden in der Diözese Speyer, in Homburg und Landstuhl.
„Des­halb for­dert die Bun­des­ver­samm­lung des Kol­ping­wer­kes Deutsch­land die Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz auf, das bei Do­num vi­tae er­brach­te En­ga­ge­ment aus christ­li­cher Ver­ant­wor­tung her­aus an­zu­er­ken­nen. Vor dem Hin­ter­grund des Be­wusst­seins­wan­dels in der Ge­sell­schaft und der ein­ge­tre­te­nen Be­ra­tungs­pra­xis emp­fiehlt das Kol­ping­werk Deutsch­land ei­ne Rück­kehr in das Be­ra­tungs­sys­tem nach § 219 StGB.“ Schon 1999 hatte der Bundeshauptausschuss nahezu einstimmig die Gründung von Donum vitae begrüßt und die Mitglieder des Kolpingwerkes aufgerufen, die Initiative vor Ort ideell und finanziell zu unterstützen, „sofern es die eigene Gewissensentscheidung möglich macht.“
Das Kol­ping­werk Deutsch­land wen­det sich ge­gen je­de Form or­ga­ni­sier­ter und kom­mer­zi­el­ler Selbst­tö­tungs­bei­hil­fe. Das Me­mo­ran­dum be­grüßt die Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges mit sei­nem „Ge­setz zur Straf­bar­keit der ge­schäfts­mä­ßi­gen För­de­rung der Selbst­tö­tung“ im No­vem­ber 2015 und sieht dar­in „ein star­kes Zei­chen für den Le­bens­schutz und für ein Ster­ben in Wür­de“. Al­ler­dings sei in den De­bat­ten und in ent­spre­chen­den Um­fra­gen deut­lich ge­wor­den, dass es durch­aus star­ke Kräf­te ge­gen die jetzt gel­ten­de Re­ge­lung ge­be.
Das Memorandum appelliert an das Kolpingwerk und seine Gliederungen: „Der Le­bens­schutz ist nicht al­lein Auf­ga­be des Staa­tes und der Po­li­tik, son­dern der ge­sam­ten Ge­sell­schaft. Des­halb sind al­le ver­band­li­chen Ebe­nen auf­ge­ru­fen, durch Auf­klä­rung, Ge­wis­sens­bil­dung und prak­ti­sche Hil­fe für Frau­en in Not so­wie Schwer­kran­ke am Schutz des mensch­li­chen Le­bens mit­zu­wir­ken.“
Zu den Aufgaben der Bundesversammlung gehört es, alle vier Jahre den Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland zu wählen. Die 330 Delegierten aus 27 Diözesanverbänden, unter ihnen 10 Delegierte aus der Diözesanverband Speyer, wählten Tho­mas Dörf­lin­ger MdB (Waldshut-Tiengen) erneut zum Bundesvorsitzenden. Zur stell­ver­tre­ten­den Bun­des­vor­sit­zen­den be­stimm­ten die De­le­gier­ten Klau­dia Ru­ders­dorf (Essen). Zum Bun­des­prä­ses wie­der­ge­wählt wur­de Msgr. Jo­sef Holt­kot­te (Köln). In das neue Amt der Geist­li­chen Lei­te­rin wur­de Ro­sa­lia Wal­ter (Buchloe) berufen, für das Kolpingwerk eine historische Entzscheidung. Aus der Diözese Speyer gehört nun Diakon Andreas W. Stellmann (Heßheim) dem Bundesvorstand an. Der Diözesanvorsitzende wurde mit großer Mehrheit in das Leitungsorgan des deutschen Kolpingwerkes gewählt. Nach Ruth Bernhard und Ramona Krämer ist er das dritte Mitglied in diesem Gremium seit den 60er Jahren. Der Fünfundfünzigjährige ist auch Landesvorsitzender des Kolpingwerkes Rheinland-Pfalz.

Zum Wortlaut des Me­mo­ran­dum für den Lebensschutz >>       
Die Delegierten des Diözesanverband Speyer mit dem wiedergewählten Bundesvorsitzenden Thomas Dörflinger (Fünfter von rechts).
Der neue Bundesvorstand: In der Mitte das neue Vorstandsmitglied Andreas Stellmann (Sechster von rechts)
Der Bericht des Domradios beginnt nach 2 Minuten
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