denkfabrik - Kolping DV Speyer

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„Denkfabrik Rente – heute für morgen“

Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie fand am vergangenen Wochenende wieder eine Fachtagung des Kolpingwerkes Deutschland in Präsenz statt. Die zweitägige „Denkfabrik Rente – heute für morgen“ bot Raum für Vorträge, Workshops und intensiven Austausch. Trotz kurzfristig angekündigten Bahnstreiks und steigender Infektionszahlen kamen mehr als 35 Teilnehmende im Mainhaus Frankfurt zusammen, um sich mit aktuellen rentenpolitischen Fragen zu befassen.

Den Einstieg zur Fachtagung, die von der Fachgruppe Sozialpolitik des Bundesvorstandes organisiert worden war, bildete ein Vortrag von Professor Stefan Sell von der Hochschule Koblenz. Als ausgewiesener Sozialexperte beschäftigt sich Sell intensiv mit den Ursachen und Folgen von Altersarmut. Diese sei in den zurückliegenden 20 Jahren im Vergleich zur gesamten Gesellschaft überproportional gestiegen, was auch auf fehlenden Reformeifer von Seiten der Politik zurückzuführen sei. Daran könne auch die kürzlich eingeführte Grundrente wenig ändern, die nur dem Namen nach eine Mindestsicherung darstelle. Anerkennung zollte Sell den Ideen des Kolpingwerkes zur Einführung einer garantierten Alterssicherung, die über die bisherige Aufstockung kleiner Renten weit hinaus geht.
Entgegen der verbreiteten Sorge um die langfristige Finanzierbarkeit der Renten verlautete von Seiten der Rentenversicherung „Entwarnung“. So erklärte Reinhold Thiede, der die Forschungsabteilung in Berlin leitet, dass die gesetzliche Rentenversicherung auf einer soliden Finanzierungsbasis stehe. Dies habe nicht zuletzt die Corona-Pandemie verdeutlicht, die trotz steigender Arbeitslosenzahlen und millionenfacher Kurzarbeit die Rentenversicherung zu keiner Zeit in Schieflage gebracht habe.

Besonders relevant sei neben einer weiterhin positiven Arbeitsmarktentwicklung gute Beschäftigung mit ausreichend hohen Löhnen, wie Ingo Schäfer vom Deutschen Gewerkschaftsbund anmerkte. Hohe Löhne trügen automatisch zu einer besseren Einnahmenbasis der Rentenversicherung bei. Zugleich sei aber auch der aktuell diskutierte Mindestlohn in Höhe von 12 Euro keine ultimative Lösung, wie Professor Sell anmerkte. Denn selbst ein Stundenlohn von 12 Euro könne keine auskömmliche Rente gewährleisten. Auch eine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters löse laut Ingo Schäfer nicht die Probleme und müsse sehr differenziert betrachtet werden. Im Rahmen eines Workshops legte er den Teilnehmenden das Für und Wider einer möglichen Erhöhung der Regelaltersgrenze nach 2031 dar.

Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen kamen die Teilnehmenden wie auch die Referenten darin überein, dass die Rentenpolitik eines der Schlüsselthemen der nächsten Legislaturperiode sein werde. Der nahende Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge dränge zu tiefgreifenden Weichenstellungen, um im Spannungsfeld von Rentenleistungen und Beitragssätzen sowohl den aktuellen als auch den zukünftigen Rentnergenerationen gerecht zu werden.

Großen Zuspruch erhielt die Tagung von Seiten der Teilnehmenden nicht nur aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung, sondern auch wegen ihrer methodischen Vielseitigkeit. Das Format der Denkfabrik wurde vor zwei Jahren erstmals erprobt und unterscheidet sich von der klassischen Fachtagung durch ihre Methodenvielfalt. Die Teilnehmenden sollen am Ende der Veranstaltung nicht nur Erkenntnisse mitnehmen, sondern auch eigene Ideen entwickelt haben.

Auch für die Fachgruppe Sozialpolitik hat sich im Rahmen der Tagung ein großer Erkenntnisgewinn ergeben, der in die Weiterarbeit an den rentenpolitischen Vorstellungen des Kolpingwerkes einfließen soll. „Wir schauen auf eine spannende und intensive Fachtagung zurück. Nach der pandemiebedingten Verschiebung im Mai wollten wir dieses Mal nicht dem kurzfristig anberaumten Bahnstreik nachgeben“, erklärt Sven-Marco Meng, der als Mitglied des Bundesvorstandes auch der Fachgruppe Sozialpolitik angehört. „Die hohe Teilnehmendenzahl hat uns Recht gegeben, an der Tagung im Präsenzformat festzuhalten
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