Diözesanversammlung - Kolping DV Speyer

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Diözesanversammlung

2016_verdeckte
„Es geht um das Menschsein des Menschen“ - Ant­wort auf ei­nen un­ge­zü­gel­ten Ka­pi­ta­lis­mus
Kolping: 125 Jah­re So­zia­len­zy­kli­ka „Rer­um No­var­um“ – Andreas W. Stellmann (Heßheim) zum drittenmal zum Diözesanvorsitzenden gewählt
Wattenheim (21.05.2016 / ko-tb). - Vor 125 Jah­ren, ge­nau am 15. Mai 1891, hat Papst Leo XI­II. das ers­te So­zi­al­lehr­schrei­ben „Rer­um No­var­um“ ver­öf­fent­licht. Mit ihm beginnt die Reihe der Sozialenzykliken des 20. Jahrhunderts, die als Katholische Soziallehre wesentlich Menschenbild und Sozialpolitik in den europäischen Ländern prägte. An die­sen Mei­len­stein er­in­nerte das Kolpingwerk Diözesanverband Speyer in einer Erklärung, die einstimmig vom höchsten Entscheidungsgremium des katholischen Verbandes, der Diözesanversammlung, in Wattenheim verabschiedet wurde.  
In sei­ner En­zy­kli­ka warn­te Papst Leo XI­II. vor ei­nem Klas­sen­kampf. Er mahn­te, die Ar­bei­ten­den nicht als Skla­ven zu be­han­deln, das Recht auf Pri­vat­ei­gen­tum zu ach­ten, Men­schen nicht mit blo­ßer Ge­winn­ab­sicht aus­zu­beu­ten oder mehr von den Werk­tä­ti­gen zu for­dern, als leist­bar sei. „Dem Ar­bei­ter den ihm ge­büh­ren­den Ver­dienst vor­ent­hal­ten, ist ei­ne Sün­de, die zum Him­mel schreit“, schrieb der Papst. Er er­in­ner­te zu­dem die Rei­chen an die Pflicht zum „ge­rech­ten Ge­brauch des Be­sit­zes“ und for­der­te sie zur Wohl­tä­tig­keit auf.
Der Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes, Diakon Andreas W. Stellmann (Heßheim), würdigte vor den 100 Delegierten und Gästen des Verbandes die Leistung Papst Leo´s XIII. und wies darauf hin, dass mit diesem Leh­rschrei­ben die Katholische Kirche eine selbstständige, aus eigenen Quellen erwachsene Position zwi­schen Li­be­ra­lis­mus und So­zia­lis­mus, zwi­schen Ka­pi­ta­lis­ten und Pro­le­ta­ri­ern eingenommen habe. „Der Papst hat damit einen drit­ten – wir können sagen: katholischen - Weg zwi­schen den Ex­tre­men formuliert und wur­de so zum Begründer einer christlichen Gesellschaftslehre, die in der Folge großen Einfluss und Gestaltungskraft auf die Politik ausübte“, sagte Stellmann wörtlich. „Die katholische Soziallehre ist Vor­rei­ter der So­zia­len Markt­wirt­schaft als Ant­wort auf ei­nen un­ge­zü­gel­ten Ka­pi­ta­lis­mus. Zu ihren Vätern gehören Adolph Kolping, Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler und der Selige Paul Josef Nardini.“
Matthias Donauer (Kindsbach), im Diözesanvorstand des Kolpingwerkes für den Aufgabenbereich Gesellschaft und Politik verantwortlich und Vorsitzender des Arbeitskreises Landespolitik, griff zentrale Aussagen der „Wattenheimer Erklärung“ auf und machte auf ak­tu­el­le Fehl­ent­wick­lun­gen unserer markt­wirt­schaftlichen Ordnung aufmerksam, die das Prädikat „sozial“ in Frage stellten:
·         Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit nimmt wei­ter­hin zu. Sie stieg von 20,6 % (1992) auf 28,6 % (2012). Ver­sand­händ­ler und Call­cen­ter, die rund um die Uhr an sie­ben Ta­gen der Wo­che ar­bei­ten, tra­gen in wachsendem Maße da­zu bei.
·         Die Ta­rif­bin­dung bei Be­schäf­tig­ten nimmt wei­ter ab. Nach Flä­chen­ta­rif­ver­trä­gen sank der An­teil zwi­schen 1996 und 2014 im Wes­ten von 70 auf 53 Pro­zent und im Os­ten von 56 auf 36 Pro­zent.
·         Die Aus­höh­lung der be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung ist be­sorg­nis­er­re­gend: Der­zeit wird nach An­ga­ben der Hans-Böck­ler-Stif­tung 800.000 Ar­beit­neh­mern die Mit­be­stim­mung mit ju­ris­ti­schen Tricks vor­ent­hal­ten, zum Bei­spiel durch Nut­zung ei­ner aus­län­di­sche Rechts­form. Die Zahl der Un­ter­neh­men, de­ren Hälf­te des Auf­sichts­ra­tes aus Ar­beit­neh­mern be­stand, ist von 767 (2002) auf 635 ge­sun­ken.
·         Eben­so bil­den Werk­ver­trä­ge und Schein­selb­stän­dig­kei­ten oft­mals mo­der­ne For­men der Aus­beu­tung; sie wi­der­spre­chen un­se­rem Grund­satz vom glei­chen Lohn für glei­che Ar­beit am glei­chen Ort.
·         Die Altersarmut wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Sie ist entwürdigend und häufig mit Resignation, Depression und sozialer Isolation verbunden. Durch politische Entscheidungen wurde der Arbeitsmarkt dereguliert und der Sozialstaat demontiert. Eine auskömmliche Rente, die als Lohn für Lebensleistung gelten kann, muss aber bedarfsgerecht, armutsfest und solidarisch sein.
Papst Jo­han­nes XXI­II. habe er­klärt, dass die So­zi­al­leh­re der ka­tho­li­schen Kir­che fester Be­stand­teil der christ­li­chen Leh­re vom Men­schen ist, sagte Donauer weiter. Sie sei heu­te so ak­tu­ell wie da­mals und gebe mit den Prin­zi­pi­en Per­so­na­li­tät, Sub­si­dia­ri­tät, So­li­da­ri­tät und Gemeinwohl Ori­en­tie­rung für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer so­wie für al­le Ver­ant­wort­li­chen in Wirt­schaft, Po­li­tik und Kirche. „Es geht um Arbeits- und Lebensbedingungen, die gelingendes Menschsein ermöglichen!“ Das Kolpingwerk als katholischer Sozialverband werde seinen Beitrag dazu leisten.
Vor dem Regularienteil konnte Vorsitzender Stellmann als Gäste Marlies Kohnle-Gros MdL (Hütschenhausen), die Vorsitzende der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind, den Vizepräsidenten der Handwerkskammer, Michael Lehnert (Münchweiler a.d.R.), den Regionsvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Detjen (Kaiserslautern), Dr. Thomas Kiefer vom Bischöflichen Ordinariat in Speyer und Wolfgang Simon (Kronach), Mitglied des Bundesvorstandes des Kolpingwerkes Deutschland, herzlich begrüßen. Ein Grußwort sprach Ortsbürgermeister Andreas Werle. In den turnusmäßigen Neuwahlen wurde Diakon Andreas Stellmann zum drittenmal zum Vorsitzenden des katholischen Sozialverbandes gewählt. Matthias Donauer folgte Elke Boudgoust (Oggersheim), die nicht mehr kandidierte, als neuer stellvertretender Diözesanvorsitzender nach. Im Amt bestätigt wurden Harald Reisel (Dahn) als zweiter stellvertretender Diözesanvorsitzender und Pfarrer Jörg Stengel (Kindsbach) als stellvertretender Diözesanpräses. Neu im Vorstand ist Andrea Storminger aus Dirmstein. Storminger vertritt das Kolpingwerk im Beirat der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind in Speyer. Im Amt bestätigt wurden als Vorstandsmitglieder Bernd Bastian-von Ruville (Rohrbach), Matthias Raab (Beindersheim), Walter Rung (Hochspeyer) und Gisela Schroth (Dirmstein). Schon am 10. April wählte die Diözesankonferenz der Kolpingjugend Eva Kurz (Kaiserslautern), Daniel Reiß (Erfenbach) und Fabian Geib (Landstuhl) zu ihrer Jugendleitung. Mit Annika Bär (Grünstadt), deren Amtszeit andauert, gehören sie mit Sitz und Stimme dem Diözesanvorstand des Speyerer Kolpingwerkes an. Diözesanpräses Michael Baldauf (Heßheim), der erst im vergangenen Jahr in sein Amt gewählt wurde ist, bestätigte die Neuwahlen und gratulierte dem neuen Vorstand, den Diözesansekretär Thomas Bettinger mit beratender Stimme vervollständigt. Baldauf wünschte dem Führungsgremium Kraft und Gottes Segen für die Arbeit in der vierjährigen Amtsperiode. Anstelle von Jürgen Metzger, Kaiserslautern wurde Andreas Gebauer (Ludwigshafen-Oggersheim), zum Kassenprüfer gewählt. Diözesanvorsitzender Stellmann dankte dem Vorsitzenden Wolfgang Breitwieser für die herzliche Aufnahme und die reibungslose Organisation durch die Kolpingsfamilie Hettenleidelheim.

Zur Wattenheimer Erklärung >>
Der neue Diözesanvorstand des Kolpingwerkes (v.li.n.re.): Matthias Raab, Thomas Bettinger, Bernd Bastian-vpn Ruville, Harald Reisel, Gisela Schroth, Pfr. Michael Baldauf, Walter Rung, Pfr. Jörg Stengel, Diakon Andreas W. Stellmann, Annika Bär, Matthias Donauer, Eva Kurz, Daniel Reiß und Fabian Geib. Nicht auf dem Bild: Andrea Storminger.
Verabschiedung von Elke Boudgoust, die 12 Jahre im Vorstand war, davon acht Jahre als Stv. Diözesanvorsitzende (v.li.n.re.): Elke Boudgoust, Harald Reisel und Andreas W. Stellmann.
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