Int. Maiandacht - Kolping DV Speyer

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Int. Maiandacht

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„Maria – Heil der Kranken“
 
Pfarrer Jörg Stengel: „Lobpreis der Gottesmutter ist Ausdruck des Vertrauens“ – Internationale Maiandacht des Kolpingwerkes in Otterberg
 
Kaiserslautern / Otterberg (15.05.2018 / ko-tb). – „Die tiefste Wurzel des Vertrauens darauf, dass Maria in den unterschiedlichsten Nöten und Bedürfnissen der Menschen nahe ist, liegt in ihrem Mutter-Sein“, sagte Bezirkspräses Pfarrer Jörg Stengel (Landstuhl) in seiner Predigt in der Zisterzienserabteikirche zu Otterberg. „Welche Mutter könnte es kalt lassen, wenn ihr Kind krank ist? Sie hat alles getan, um Trost zu schenken, um Schmerzen zu lindern, um Heilung zu fördern, um ihren Kindern in der Situation von Krankheit und Leid den Rücken frei zu halten von allem, was sie in dieser Zeit unnötig belasten könnte“, führte der Prediger weiter aus, der seine Gedanken unter das Leitwort stellte: „Maria – Heil der Kranken“.
 
Nahezu 400 Gläubige waren am Muttertag der Einladung des Kolping-Bezirksverbandes Kaiserslautern-Landstuhl gefolgt, um im Geiste Mariens für den Frieden in der Welt und in Europa zu beten. Zahlreiche Banner der Kolpingsfamilien zogen voran zum Altar, unter ihnen erstmals zwei Kolping-Kinderbanner, gefolgt von den Bannern der Europaunion, der Legio Mariae und den Frauen der Schönstattbewegung. Die polnische Gemeinde trug das Bild ihrer Muttergottes von Tschenstochau in den Altarraum, die portugiesische Gemeinde die mit Blumen geschmückte Statue der Madonna von Fátima.
 
Pfarrer Stefan Czepl aus Schönenberg-Kübelberg war als Prediger vorgesehen gewesen; aufgrund einer schweren Erkrankung konnte er seine Zusage nicht einlösen. Bezirkspräses Jörg Stengel gedachte weiter des Gründers der Maiandacht, Rechtsanwalt Franz Möhler, der am 24. November 2017 nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Die Gemeinde schloss beide in ihr fürbittendes Gebet ein.
 
Der Prediger führte aus, dass die Menschen darauf vertrauten, dass Maria sie in Not nicht allein lasse. Viele Gebete seien ein Lobpreis der Gottesmutter und darin Ausdruck des „Vertrauens, dass sie in vielfältigen Situationen mit ihrem Schutz und Segen, mit ihrer Macht und Güte für die Anliegen der Menschen da ist.“ Der Wallfahrtsort Lourdes zeige, wie sehr Menschen darauf vertrauten, von Maria Hilfe in Krankheit zu erfahren. Ihn habe dort der Umgang mit den Kranken besonders beeindruckt und bewegt. „In jeder der großen Kirchen ist vorne Platz für Kranke und Behinderte. Bei der täglichen eucharistischen Prozession im Heiligen Bezirk werden Kranke in Rollstühlen mitgefahren. Und ich habe dort gesehen, dass selbst Liegend-Kranke in fahrbaren Betten mitgeschoben werden. Wer könnte sich dieser Hoffnung und diesem Vertrauen, das da spürbar wird, entziehen?“ Wir glaubten, so der Priester weiter, an den, der „unsere Krankheiten getragen, und unsere Schmerzen auf sich geladen hat“, der für uns und mit uns gelitten habe, Jesus. An seinem Leidensweg stehe die Mutter, deren Liebe sie unter das Kreuz führt, als die meisten schon davongelaufen sind.
 
Pfarrer Stengel erinnerte an die Fülle der seelischen Krankheiten. Es sei nicht mehr zu übersehen, dass unsere moderne Leistungsgesellschaft eine wachsende Zahl von Menschen seelisch überfordere, psychisch krankmache. Leistungs- und Konkurrenzdruck, Mobbing, Überstunden ohne Ausweg, etwa bei chronischem Personalmangel, überzogene Erwartungen würfen Menschen derart aus der Kurve, dass sie längere Zeit krank würden oder gar nicht mehr ihre ursprüngliche Tätigkeit aufnehmen könnten. Gleichzeitig breche immer mehr das Fundament des Glaubens weg, der uns lehre, dass wir geliebt sind, unabhängig davon, was wir leisten, und über jedem Einzelnen das Ja Gottes steht, der persönliche Ruf ins Leben und in die Vollendung. Eine unbefangene Marienfrömmigkeit könne da sehr wertvoll sein, die Liebe der himmlischen Mutter zu spüren, ihren Trost, ihre Aufmerksamkeit, ihre Zärtlichkeit.
 
Weil Menschen aber begonnen hätten, ihren Willen vor den Willen Gottes zu setzen, sei die Krankheit in die Welt gekommen, die gefährlicher sei als alle körperlichen oder seelischen Krankheiten: die Sünde. Seit dem „Sündenfall“ hafte der Menschennatur die Anfälligkeit an, die Gebote Gottes zu übertreten. Wir sprächen von der erbsündlichen Verwundung der menschlichen Natur. Und schon in diesem Zusammenhang, ganz am Anfang der Bibel fänden wir den Hinweis auf „die Frau“, die die Schlange am Kopf trifft. Gott habe in seinem Heilsplan die Rettung der Menschen beschlossen. Und darin komme Maria eine ganz wichtige Rolle zu: dem Gottessohn die menschliche Natur zu verleihen. So habe sie Teil an der Heilung der Menschen aus ihrer schlimmsten und folgenreichsten Krankheit. „Gerade haben wir an Christi Himmelfahrt gefeiert, dass Jesus, unsere schwache, mit seiner Gottheit vereinte Menschennatur zur Rechten des Vaters erhoben hat. Aus dem Zusammenhang dieses Geschehens ist Maria nicht wegzudenken. Gott heilt in seiner großen Barmherzigkeit die schlimmste Verwundung des Menschen. Und so haben wir die Hoffnung, Jesus dorthin zu folgen, wohin er als erster vorausging.“
 
Abschließend rief der Prediger die Gläubigen auf, der mütterlichen Fürsprache Mariens die Krankheit des Unfriedens in der Welt anzuvertrauen, die Krankheit der Herzenshärte und des Mangels an Vergebungsbereitschaft, die Unfähigkeit, Kompromisse zu schließen, auf deren Grundlage alle Menschen in Frieden und Sicherheit leben können. In mehreren europäischen Sprachen, in Portugiesisch, Polnisch, Italienisch, Rumänisch, Französisch, Deutsch und Englisch, wurden Fürbitten um den Frieden in der Welt und die Zukunft Europas vorgetragen. Mit dem eucharistischen Segen endete die Maiandacht.
 
Unter den Geistlichen am Altar befanden sich der ehemalige Diözesanpräses, Pfarrer Andreas König (Landstuhl), Kooperator Pfarrer Marco Gabriel (Otterberg), Pfarrer Joachim Voss (Hettenleidelheim), Pfarrer Henry Gorecki von der polnischen Gemeinde und die Diakone Georg Henrich und Claudio Caetano von der portugiesischen Gemeinde. Musikalisch wurde die Andacht vom Kolpingblasorchester Kaiserslautern unter der Leitung von Andreas Vicinus und den Kirchenchören aus Otterberg und Weilerbach unter der Leitung von Elisabeth Becker gestaltet. Die Orgel spielte Oliver Schreyer. Pfarrer Jörg Stengel dankte allen, die immer wieder dazu beitragen, diese Andacht zu Ehren der Gottesmutter durchzuführen.
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