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Von Handys, seltenen Erden und Datenschutz
Kolping: Vorsitzende und Präsides befassen sich mit ausgedienten Mobiltelefonen und kirchlichem Datenschutz

Kaiserslautern / Hochspeyer (27.02.2019 / ko_tb). - Nicht mehr gebrauchte Handys spenden und Gutes tun! Das Kolpingwerk Deutschland unterstützt als Kooperationspartner die Han-dyspendenaktion von missio Aachen und missio München und ruft zum Mitmachen auf. Vorsitzende und Präsides der Kolpingsfamilien im Bistum Speyer beschäftigten sich auf ihrer Jah-restagung in Hochspeyer ausführlich mit der Problematik des Rohstoffverbrauchs bei der Herstellung unserer Mobiltelefone und Smartphones. Dr. Christian Mazenik, Bildungsreferent von missio München, informierte über die wertvollen Erze und Metalle, die sogenannten seltenen Erden, die in unseren Handys bzw. Smartphones verbaut sind. Es sind Rohstoffe, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen in Afrika, vor allem im vom Krieg verheerten Kongo, ab-gebaut werden: Gold, Silber und Platin in den Leiterbahnen, Kobalt in den Akkus, Tantal in den Kondensatoren sowie Indium und Gallium – zwei der seltensten Stoffe auf unserem Planeten – in den Touchscreens. Die Menschen, die diese Stoffe aus dem Boden holen, sind oft schlimmster Gewalt ausgesetzt. Rebellengruppen zwingen Menschen, die Rohstoffe für sie abzubauen. Viele Menschen werden praktisch versklavt, und der Abbau erfolgt illegal und un-kontrolliert, ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen. Die Erlöse werden in Waffenkäufe inves-tiert. Viele Menschen sind deshalb auf der Flucht oder versuchen zu fliehen.
Die Gewinnung seltener Erden erfolgt durch zerstörerischen und toxischen Abbau: Um Gold aus Gestein und Erde zu lösen, kommt das Natriumzyanid der Blausäure zum Einsatz. Mazenik betonte in seinem Referat: „Wer die Umweltzerstörung durch den Goldabbau verhindern will, muss sich Gedanken darübermachen, was aus den Menschen werden soll, die davon leben.“ Mit der Handysammelaktion, die Bildungsaspekte und aktives Tun miteinander verbindet, wollen Kolpingwerk und missio auf die Menschen aufmerksam machen, die Opfer des techni-schen Fortschritts sind, und auf die eigene Verantwortung hinweisen. „Damit können wir die Situation der Menschen im Kongo verbessern und einen Beitrag zur Bekämpfung von Flucht-ursachen leisten“, sagte Walter Rung (Hochspeyer), Vorsitzender des Arbeitskreises Eine Welt im Kolping-Diözesanverband Speyer. Wer sein Smartphone länger benutze als die von der IT-Branche kalkulierte Halbwertzeit von sechs Monaten, trage ebenfalls zur Schonung der Um-welt bei, so Rung, der auch Mitglied im Bundesfachausschuss „Verantwortung für die Eine Welt“ des Kolpingwerkes Deutschland ist.
Fast jeder hat ein oder mehrere Handys zuhause, die nicht mehr benutzt werden. In Deutsch-land gibt es schätzungsweise 124 Millionen nicht mehr gebrauchte Handys. Eric Schumacher und Till von Pidoll in Köln haben das Handy-Rücknahmesystem Mobile-Box entwickelt und eingeführt. Nicht mehr gebrauchte, auch defekte Handys können abgegeben werden. Die ge-spendeten Handys werden von ihnen recycelt, um die wertvollen Rohstoffe zurückzugewin-nen. Sie bereiten geeignete Geräte für den Wiederverkauf – das sind derzeit etwa 15% - auf und sorgen für das fachgerechte Recycling der Rohstoffe. Ein Anteil des Erlöses geht zu glei-chen Teilen an missio und das Kolpingwerk Deutschland. Kolping unterstützt damit die Be-wusstseinsbildung für die Bekämpfung von Fluchtursachen; missio finanziert mit seinem An-teil Hilfsprojekte, u.a. Trauma-Zentren in der Erzdiözese Bukavu im Osten des Kongo.
Viele Kolpingsfamilien beteiligen sich an der Handyspendenaktion und haben Annahmestellen eingerichtet. Auch beim Diözesanbüro in Kaiserslautern kann man Handys und Smartphones abgeben.
Über das Kirchliche Datenschutzgesetz informierte der Datenschutzbeauftragte der Diözese Speyer, René Pfeiffer, der selbst Vorsitzender der Kolpingsfamilie Bad Bergzabern ist. Beim Datenschutz gehe es um den Schutz des einzelnen Menschen und seiner Persönlichkeits-rechte, die aufgrund der technischen und politischen Entwicklung heute mehr denn je bedroht sind. Pfeiffer erklärte, was personenbezogene Daten sind, wo der Datenschutz geregelt ist, wer zuständig ist und welche Aufgaben der kirchlichen Aufsicht obliegen. Praxisbezogen legte er dar, wann und wie personenbezogene Daten verarbeitet werden dürfen, welchen Pflichten die Verantwortlichen unterliegen, und welche Rechte die betroffenen Personen haben. Zum Thema Datensicherheit gab er konkrete Tipps und Empfehlungen für die Kolpingsfamilien.
Anstöße und Impulse für die spirituelle Arbeit in den Kolpingsfamilien vermittelten Diözesan-präses Michael Baldauf (Heßheim), Andrea und Jürgen Storminger (Dirmstein) vom AK Spiri-tualität / Kirche mitgestalten. Mit der Methode World-Café diskutierten die Tagungsteilneh-mer aktuelle Herausforderungen im Blick auf die Zukunft von Verband und Kirche. Themen-schwerpunkte waren dabei Glaube, Jugend, soziale Verantwortung und Handeln als Gemein-schaft. Anschließend stellten sich die Arbeitskreise des Diözesanverbandes mit ihren aktuellen Projekten vor: AK Kirche mitgestalten, AK Zukunft, AK Eine Welt / Brasilien, Satzungskommis-sion und Finanzausschuss. Die Kolpingjugend stellte ihr Jahresthema „Orange ist bunt“ vor und das geplante Inklusionswochenende mit Menschen mit Behinderungen im August im Kolpin-ghaus Falkenstein. Über aktuelle Themen und Aktionen des Verbandes referierte abschlie-ßend Diözesanvorsitzender Andreas W. Stellmann (Heßheim). Er lud alle Kolpingsfamilien herzlich ein zum bundesweiten Zukunftsforum des Kolpingwerkes am 30. März in Fulda, das unter dem Leitwort steht: Kolping – Mit Mut, Kreativität und Tatkraft in die Zukunft.


Fotos (Bettinger): Blick in die Konferenz der Vorsitzenden und Präsides in der Jugendherberge Hochspeyer.

Nähere Informationen zur Handysammelaktion im Internet unter www.kolping.de/handyaktion
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