Wallfahrt Bockenheim - Kolping DV Speyer

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Wallfahrt Bockenheim

2016_verdeckte
26.06.2016
„Lass dich berühren von der Not der Mitmenschen!“
Bockenheim: Diözesanpräses Michael Baldauf über „Barmherzigkeit, das Erkennungszeichen des Christlichen“ 
40 Jahre Aktion für das Leben: Beratungsstelle Amalie stellt sich vor 
Diözesane Familienwallfahrt des Kolpingwerkes
Bockenheim / Kaiserslautern (04.07.2016 / ko-tb). – Sie war diesmal anders, die Kolpingwallfahrt nach Bockenheim. Mehr als früher sollte sie eine Familienwallfahrt sein, um Jung und Alt in Gebet und Mahl, in Begegnung und Austausch zusammenzuführen. Ein Arbeitskreis um Diözesanpräses Pfarrer Michael Baldauf (Heßheim) hatte eine neue Veranstaltungsstruktur entwickelt, die das Gewohnte mit dem Neuen verband: Den Gottesdienst in den Weinbergen an der Heiligenkirche mit der familienhaften Begegnung bei einem einfachen Essen im Gemeindesaal „Emichsburg“, die Konfrontation mit einem gesellschaftspolitischen Thema mit der vorbehaltslosen Lebensfreude von Kindern. Die Kolpingjugend Grünstadt unter Rita Schmid sorgte für ein spielerisch-buntes Kinderprogramm, die Erwachsenen um Diakon Andreas Stellmann, dem Vorsitzenden des Kolping-Diözesanverbandes, stellten sich dem Thema des Heiligen Jahres: „Barmherzigkeit“ und begingen den 40. Jahrestag der Gründung der „Aktion für das Leben“.
In seiner Predigt bei der Heiligen Messe in den Weinbergen über Bockenheim skizzierte Diözesanpräses Michael Baldauf „Barmherzigkeit als Erkennungszeichen des Christlichen“, als Ort, an dem „Gott und Menschen zusammenkommen“ Gott habe sein Herz bei den Armen, nichts anderes heiße das lateinische Wort für Barmherzigkeit: misericordia. Barmherzig zu sein bedeute: dort zu sein, wo Gott ist. Barmherzig sein, meinte der Prediger weiter, heiße, die Güte Gottes zu einem anderen bringen, ihm Gutes tun, bedingungslos, ohne etwas dafür zu wollen. „Wenn jemand barmherzig ist, dann tut er etwas von Herzen.“ Es gebe verschiedene Arten, barmherzig zu sein. Ein deutscher Bischof habe sieben Arten gesammelt: „Ich sage dir: Du gehörst dazu. Ich höre dir zu. Ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche dich. Ich bete für dich.“ Liebe und Barmherzigkeit gewähren heiße für uns: „Lass dich berühren von der Not der Mitmenschen, setze dich für sie ein, investiere deine Zeit und deine Kraft – wir werden dafür das Vielfache zurückerhalten.“
„Barmherzigkeit ist das Wesen Gottes selbst“, zitierte Pfarrer Baldauf in der „Emichsburg“ aus dem alttestamentlichen Weisheitsbuch Jesus Sirach. Ein Akt der Barmherzigkeit sei die Gründung der Aktion für das Leben e.V. vor 40 Jahren in Kaiserslautern durch den damaligen Diözesanpräses Gerhard Fischer gewesen. Baldauf, der im vergangenen Jahr zum Vorsitzenden des Vereins gewählt worden ist, erinnerte daran, dass die Aktion für das Leben gegründet worden sei, um schwangeren Frauen in Konfliktsituationen unbürokratisch, direkt, menschlich Hilfe zum Leben, zum eigenen und dem ihres Kindes, zu geben. Seit der Gründung am 9. Mai 1976 verfolge die Aktion zwei Ziele: „Sie will Frauen und Mädchen helfen, die in Erwartung eines Kindes oder nach dessen Geburt in Not geraten. Sie weckt Verständnis und Verantwortung in der Gesellschaft für den Wert und die Unantastbarkeit menschlichen Lebens und ermutigt die Bürger zu finanzieller und mitmenschlicher Hilfe.“ Das Kolpingwerk habe mit der Aktion für das Leben ein sichtbares und achtenswertes Zeichen gesetzt, wie Kirche direkt und unmittelbar, ohne Verurteilungen, Schuldzuweisungen und andere Vorbehalte mit den schwangeren Frauen das Leben ihrer Kinder retten kann. Seit mehr als zwei Jahren arbeite die Aktion mit der Beratungsstelle Amalie zusammen. Baldauf begrüßte Frau Julia Kempl, die von der Arbeit ihrer Beratungstelle berichtete:
Julia Kempl ging u.a. auf die gesellschaftspolitische Dimension des Tabuthemas Prostitution ein: 1,2 Millionen Männer gingen täglich in Bordelle. Die Beratungsstelle Amalie richte sich an alle Frauen aus der Metropolregion Rhein-Neckar, welche in der Prostitution arbeiten, so Frau Kempl weiter. Sie berate, begleite und unterstütze Frauen, die in bordellähnlichen Betrieben, Laufhäusern, auf dem Straßenstrich, in Terminwohnungen, als Selbstständige und im Escortservice tätig sind. Darüber hinaus seien auch ehemalig tätige Frauen in der Beratungsstelle willkommen. Amalie berate in allen Lebensfragen und gebe fachliche Hilfestellung bei problematischen Lebenssituationen. Es könnten sich jederzeit Frauen an die Mitarbeiterinnen wenden, die der Prostitution nicht freiwillig nachgehen bzw. dazu gezwungen werden und eine schnellstmögliche Unterstützung und umfassenden Schutz benötigen. Betroffene Frauen, Partner, Familienmitglieder und Freunde könnten sich mit entsprechenden Hinweisen und Fragestellungen an Amalie wenden.
Pfarrer Baldauf dankte Josef Heitz von der Kolpingsfamilie Pfingstweide. Auf dessen Initiative hin habe die Aktion für das Leben mehrfach Frauen unterstützt, die schwanger waren, ihr Kind behalten und aus der Prostitution austeigen wollten. Diese Frauen hatten in der Regel keine Krankenversicherung und oft nicht die geringsten Mittel für sich und das Kind. Über Amalie erhalten sie materielle und menschliche Hilfe zum Leben.
Diakon Andreas W. Stellmann dankte abschließend der Kolpingkapelle Ramsen für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes, der Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Bockenheim, Ruth Peters, für die zuverlässige Vorbereitung in Organisation und Durchführung der Wallfahrt. Er dankte der Kolpingjugend und der Kolpingsfamilie Grünstadt für ihre unterstützende Mitarbeit.
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